
Gi oder No-Gi: die Unterschiede und womit du anfängst
Derselbe Sport, gespielt mit zwei unterschiedlichen Reibungsregeln. Der Unterschied ist nicht die Kleidung, sondern das, was du greifen kannst.
BJJ Square · Aktualisiert am 05.08.2026
Gi ist der Kimono: schwere Jacke, Gürtel, Hose. No-Gi trainiert man im engen Shirt (Rash Guard) und in Shorts oder Leggings. Von außen sieht das nach einer Frage von Bequemlichkeit oder Geschmack aus. Ist es nicht: Es ändert, was du in der Hand hast.
Der eine Unterschied, aus dem alle anderen folgen
Mit dem Gi greifst du den Stoff: Kragen, Ärmel, Hosenbeine, Gürtel. Das sind feste Griffe, die auch halten, wenn der andere drückt, und mit denen man jemanden fast zum Stillstand bringen kann.
Im No-Gi greifst du nur den Körper: Handgelenke, Nacken, Beine, Rumpf. Den Rest erledigt der Schweiß. Wer unten liegt, rutscht viel leichter wieder heraus.
Daraus ergeben sich alle Unterschiede, von denen du hörst.
- Tempo. Der Gi ist langsamer und positioneller: Du baust einen Griff auf, hältst ihn, arbeitest dich vor. No-Gi ist schneller und voller Scrambles, also jener chaotischen Momente, in denen keiner von beiden irgendetwas kontrolliert.
- Abschlüsse. Im Gi gibt es Würger mit dem Kragen, die es im No-Gi schlicht nicht gibt. Im No-Gi wiegen Beinhebel und Würger am Arm dafür schwerer.
- Verteidigung. Im Gi zahlt sich gutes Verteidigen stark aus: Erst muss der fremde Griff weg, dann kannst du raus. Im No-Gi kommt man häufiger über Bewegung und Explosivität heraus.
- Gewicht der Athletik. Der Gi gleicht körperliche Unterschiede etwas mehr aus, weil die Grifftechnik enorm zählt. Im No-Gi machen sich Schnelligkeit und die Fähigkeit, das Tempo zu halten, stärker bemerkbar.
Hinweis Das sind zwei Dialekte derselben Sprache, nicht zwei Sportarten. Wer eines trainiert, wird auch im anderen besser: Es ändert sich nur, wie stark und in welchen Bereichen.
Was du brauchst, und was es kostet
- Gi: ein Jiu-Jitsu-Kimono, grob zwischen 60 und 150 Euro. Ein Judo- oder Karateanzug taugt nicht — Schnitt, Gewebe und Belastbarkeit sind anders. Der Gürtel ist meistens dabei.
- No-Gi: Rash Guard und Shorts oder Leggings, deutlich günstiger. Achtung bei Shorts mit Taschen, Reißverschluss oder Knöpfen: Auf fast keiner Matte sind die erlaubt, und sie sind ein hervorragender Weg, sich einen Finger zu verdrehen.
Achtung Kauf nichts, bevor du trainiert hast. Viele Schulen leihen dir für die ersten Einheiten einen Gi, und ohnehin fragst du besser den Trainer, was wirklich nötig ist: Manche Academies haben Regeln zu erlaubten Farben oder wollen ihren eigenen Patch.
Womit du anfängst
Die ehrliche Antwort lautet: mit dem, was die Schule macht, in die du gehst. Viele Academies wechseln innerhalb der Woche ab, und dann musst du gar nichts entscheiden.
Wenn du wirklich wählen kannst, helfen zwei konkrete Kriterien.
- Willst du eine solide Basis bauen und hast keine Eile, dann Gi. Das langsamere Tempo gibt dir Zeit zu verstehen, was gerade passiert, und Griffe am Stoff machen Fehler sichtbar, die im No-Gi untergehen, weil du sowieso wegrutschst.
- Kommst du vom Ringen, vom Grappling oder aus MMA, dann No-Gi. Die Bewegung ist dir vertrauter, und was du schon kannst, zählt sofort.
So oder so ist das keine endgültige Entscheidung: Man wechselt, wann man will, und die meisten machen früher oder später beides.
Gelten die Gürtel in beiden?
Ja. Es gibt nur einen Grad, und der gehört dem Menschen, nicht der Disziplin: Ein blauer Gürtel ist auch dann blau, wenn er ohne Kimono trainiert. Bei No-Gi-Turnieren trägt man den Gürtel nicht, die Kategorien bleiben aber nach Graduierung getrennt. Mehr dazu hier: Die Gürtel im BJJ.
Finde eine Schule und frag, was dort trainiert wirdHäufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Gi und No-Gi im BJJ?
- Mit dem Gi kannst du Kragen, Ärmel und Hose des Gegners greifen, im No-Gi nur den Körper. Daraus folgen ein anderes Tempo, andere Würgetechniken und eine andere Verteidigung.
- Kann ich einen Judo-Anzug fürs BJJ benutzen?
- Besser nicht. Schnitt, Ärmellänge und Steifheit des Gewebes unterscheiden sich, und im Wettkampf sind Judo-Anzüge nicht zugelassen. Frag für die ersten Einheiten in der Schule nach: Oft wird dir einer geliehen.
- Ist No-Gi gefährlicher als Gi?
- Nicht an sich. Das Tempo ist höher und Beinhebel kommen häufiger vor, deshalb zählt die Kontrolle der Trainingspartner sehr viel; im Gi entstehen dafür öfter kleine Fingerverletzungen durch die Griffe am Stoff.
- Muss ich mich für immer zwischen Gi und No-Gi entscheiden?
- Nein. Die meisten machen beides, und die Fähigkeiten übertragen sich in beide Richtungen.
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